Psychoneuroendokrinologie

Psychiatrie

Direktor:
Prof. Dr. med. Johannes Kornhuber

Schwerpunkt: Sexualhormoneffekte bei psychischen Erkrankungen

Sexualhormone beeinflussen menschliches Verhalten und spielen eine Rolle bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Süchten und psychischen Erkrankungen. Neben den direkten Effekten von Androgenen und Östrogenen nimmt die intrauterine Sexualhormonexposition eine besondere Rolle ein. Bereits im Mutterleib vor der Geburt steuern Sexualhormone die Hirnentwicklung und verursachen bis ins Erwachsenenalter anhaltende Effekte auf Hirnmorphologie, Neurotransmission und Verhalten.
Eigene wie auch unabhängige Forschungsergebnisse deuten an, dass diese pränatal ausgelösten Testosteroneffekte an der Entstehung von Suchterkrankungen und Suiziden beteiligt sind. Die direkte Messung intrauteriner Sexual­hormon­konzentrationen und die anschließende Langzeitbeobachtung zur Erfassung des Erkrankungsrisikos sind nur schwer möglich. Daher basieren unsere Beobachtungen auf Biomarkern wie das relative Zeige-/Ringfingerlängenverhältnis (2D:4D) (Kornhuber et al. 2011, 2013; Lenz et al. 2016, 2017), Händigkeit (Bouna-Pyrrou et al. 2015) und das Modell des pränatalen Testosterontransfers bei Zwillingen (Lenz et al. 2012).

Die Arbeitsgruppe Psychoneuroendokrinologie untersucht und charakterisiert die Zusammenhänge zwischen Sexualhormonaktivitäten und psychischen Erkrankungen. Dabei interessieren wir uns für intrauterin ausgelöste Sexualhormoneffekte und für im Blut gemessenen sogenannte adulte Sexualhormonkonzentrationen genauso wie für damit in Verbindung stehende genetische und epigenetische Faktoren. Zur Etablierung präventiver Strategien untersuchen wir, welche Umweltfaktoren intrauterine Sexualhormonexposition bestimmen und welche genetischen, epigenetischen und zellulären Mechanismen dazu führen, dass diese Effekte bis ins Erwachsenenalter anhalten und dann mit psychischen Erkrankungen in Zusammenhang stehen. Diese Ziele werden in translationalen Studienansätzen gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. med. Johannes Kornhuber und Herrn Prof. Dr. rer. nat. Christian Müller bearbeitet.


FLIP-MD-Studie

Frauen erkranken zwei- bis dreimal häufiger an Depressionen als Männer. Es verwundert daher, dass sich Männer doppelt so häufig suizidieren wie Frauen. Ein Grund für dieses Paradoxon könnte sein, dass Frauen anfälliger für die Entwicklung typischer Depressionssymptome sind und Männer andere Depressionssymptome wie Impulsivität, reduzierte Stresstoleranz und übermäßigen Alkoholkonsum ausbilden. Interessanterweise kann die „männliche Depression“ sowohl von Männern als auch von Frauen entwickelt werden. Das deutet an, dass Sexualhormoneffekte dem Phänomen der männlichen Depression zugrunde liegen könnten.
Wir rekrutieren derzeit männlich-depressive Patienten und Kontrollprobanden für die FLIP-MD-Studie (Finger Length in Psychiatry – Male Depression), um das Phänomen der „männlichen Depression“ besser zu charakterisieren und die Bedeutung intrauteriner und adulter Sexualhormoneffekte zu untersuchen.

Ansprechpartner: Dorothea Falke, Dr. med. Christian Weinland

Doktoranden: Magdalena Hübner, Colin Rentsch, Terezie Sedlinská


TEGS-Studie

Im Mai 2013 hat die American Psychiatric Association die Internetspielerkrankung erstmals als Forschungsdiagnose in das DSM-5 aufgenommen und zu weiteren Studien mit dem Ziel der präziseren diagnostischen und ätiologischen Zuordnung aufgefordert.
In einer Online-Studie konnten wir zeigen, dass die pathologische Anwendung von Internetspielen und sozialen Netzwerken Ähnlichkeiten zu substanzgebundenen Süchten aufweist [u.a. Lateralität und Abhängigkeitskriterien (Bouna-Pyrrou et al., 2015)]. Außerdem konnten wir bei süchtigen Internetspielern kleinere 2D:4D-Werte im Vergleich zu gesunden Nutzern finden (Kornhuber et al., 2013). Diese Befunde weisen unabhängig voneinander darauf hin, dass intrauterine Sexualhormonexposition einen Risikofaktor für die spätere pathologische Nutzung von Internetspielen und sozialen Netzwerken darstellt. In unserer aktuellen TEGS-Studie (The role of intrauterine Testosterone Exposure in Internet Gaming and Social network disorder) soll diese Hypothese bestätigt und mit Hilfe anderer Biomarker für pränatale Sexualhormonexposition erweitert werden.
Die Rekrutierung für diese Studie wurde im Januar 2017 abgeschlossen. Derzeit erfolgt die Probenanalyse und Datenauswertung.

Ansprechpartner: Dr. med. Polyxeni Bouna-Pyrrou

Doktorandinnen: Birte Aufleger, Simona Braun, Manja Gattnar, Sofia Kallmayer, Helena Wagner


NOAH-Studie

In der NOAH-Studie (Neurobiology Of AlcoHolism) wurde bestätigt, dass intrauterine und direkte adulte Sexualhormonexposition eine Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Alkoholabhängigkeit spielt (Lenz et al. 2017). Sie wird gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. med. Johannes Kornhuber und in Kooperation mit dem Klinikum am Europakanal in Erlangen durchgeführt. Im Rahmen dieses multizentrischen Projekts wurden zwischen Januar 2013 und Oktober 2014 200 Patienten und 240 gesunde Kontrollpersonen rekrutiert. Derzeit analysieren wir Interaktionen genetischer und epigenetischer Aspekte mit der Rolle pränataler Sexualhormoneffekte für Alkoholabhängigkeit im Erwachsenenalter.

Ansprechpartner: PD Dr. med. Bernd Lenz

Doktorandinnen: Juliane Behrens, Marina Korobowa, Sarah Kubis, Katrin Mikolaiczik, Sarah Saigali, Petya Tanovska

 
Leiter:
PD Dr. med. Bernd Lenz
Telefon: 09131 85-33001
E-Mail: bernd.lenz@uk-erlangen.de
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Wissenschaftliche Mitarbeiter

Dr. med. Polyxeni Bouna-Pyrrou
Telefon: 09131 85-33001
E-Mail: Polyxeni.Bouna-Pyrrou@uk-erlangen.de
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Jordan Gegenhuber
E-Mail: gege5435@pacificu.edu
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Dr. med. Christian Weinland
Telefon: 09131 85-33001
E-Mail: christian.weinland@uk-erlangen.de
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Beteiligte aus der Arbeitsgruppe Kornhuber

Dr. rer. nat. Christiane Mühle
E-Mail: christiane.muehle@uk-erlangen.de
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Zusammenfassung