Klinische Studien

Psychiatrie

Direktor:
Prof. Dr. med. Johannes Kornhuber

Klinische Studien

Sphingolipid-Parameter als Biomarker für psychiatrische Erkrankungen (ASPECT)

Ziel der Studie ist es, Veränderungen im Sphingolipid-Stoffwechsel nachzuweisen, die charakteristisch sind für Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen oder sich im Rahmen einer entsprechenden Therapie verändern. Untersucht werden dabei periphere Marker des Sphingolipid-Stoffwechsels, die aus Blutproben gewonnen werden. Diese umfassen neben den Lipiden und den verstoffwechselnden Enzymen auch genetische Informationen. Ziel des Projektes ist die Entwicklung von neuen diagnostischen und prädiktiven Biomarkern. Im Rahmen von ASPECT (eine Abkürzung für die englische Bezeichnung: Acid SPhingomyelinase Experimental and Clinical Trial) werden Proben von Patienten mit Depression, Schizophrenie und Alkoholabhängigkeit untersucht.

Ansprechpartner: Dr. rer. nat. Martin Reichel

Ceramide-associated Biomarkers in Depression (CeraBiDe)

Depressionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen und führen zu einer ausgesprochenen Krankheitsbelastung. Die Diagnose wird anhand der klinischen Symptome gestellt. Dieses Vorgehen ist unpräzise und problembehaftet. Für den klinischen Einsatz werden daher gut messbare Biomarker benötigt. Wir konnten in tierexperimentellen Studien zeigen, dass erhöhtes hippocampales Ceramid die Nervenzellausbildung hemmt und zu depressivem Verhalten führt. Außerdem konnten wir zeigen, dass Antidepressiva die Ceramidkonzentrationen beeinflussen. Diese Studie zielt auf die Identifikation und Validierung von Blutbiomarkern zur Unterstützung in der Diagnose von Depressionen ab.

Ansprechpartner: Dr. med. Claudia Wagner

Die Sensitivität des Glukokortikoidrezeptors bei depressiven Störungen

Veränderungen der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden (HPA) -Achse bei depressiven Störungen wurden von mehreren Forschergruppen unabhängig nachgewiesen. Auf dieser Basis kann der in vivo-Dexamethason/CRH-Stimulationstest als objektives biologisches Verfahren zur Diagnostik von Depressionen verwendet werden. Dieser klinische Test stellt mit der Einnahme der Substanzen, der langen Dauer von fast 24 Stunden, den mehrmaligen Blutabnahmen und der erforderlichen Liegezeit eine Belastung für den Patienten dar. Man geht davon aus, dass die Sensitivität des Glukokortikoidrezeptors (GR) an den Veränderungen der HPA-Achse bei depressiven Patienten beteiligt ist. Veränderte GR-Aktivitäten bei depressiven Störungen sind bekannt. Alternativen zum Dexamethason/CRH-Stimulationstest sind ex vivo-Stimulationsverfahren von Blutzellen zur Messung der Sensitivität des Glukokortikoidrezeptors (GR). Das Ziel unserer aktuellen Studie besteht in der Etablierung einer ex vivo-Stimulationsmethode zur Quantifizierung der GR-Sensitivität und deren Validierung im diagnostischen Prozess

Ansprechpartner: Dr. med. Claudia Wagner

Einfluss der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) auf Affektivität, kognitive Funktionen und neurobiologische Marker

Die Therapie psychischer Erkrankungen konnte in den letzten Jahrzehnten wesentlich verbessert und durch neue Therapieverfahren ergänzt werden. Neben pharmakologischen und psychotherapeutischen Verfahren erweitern heute Stimulationsverfahren des zentralen Nervensystems, wie die TMS, die therapeutischen Methoden. Es konnte bisher in einer Vielzahl von Studien vor allem ein positiver Effekt der TMS auf depressive Störungen gezeigt werden. Weiterhin besteht jedoch Uneinigkeit über die genaue Durchführung der Behandlung (u.a. Lokalisation, Dauer, Häufigkeit der Stimulationen). Ziel unserer Studien ist eine Erforschung des Einflusses der TMS auf Affektivität, kognitive Funktionen und neurobiologische Marker bei Gesunden und depressiven Patienten.

Ansprechpartner: Dr. med. Gerd Schaller
 

MRT-basierte Diagnose bei Depression

Depressionen werden bislang klinisch diagnostiziert; es fehlen verlässlich Biomarker. In Zusammenarbeit mit Siemens werden neuartige MRT-basierte diagnostische Biomarker, basierend auf ASL, resting state und Volumen, für Patienten mit Majorer Depression sowie mit Saisonal Affektiver Erkrankung gesucht. Ein solcher Biomarker hätte vielfältige Vorteile; u.a. Visualisierung der Depression als Vorteil für Patienten und Angehörige (die Depression wird "greifbar"; dies dient auch der Entstigmatisierung von Depressionen in der Bevölkerung), Unterstützung der Diagnostik sowie evt. Prädikation von Therapieresponse.

Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Johannes Kornhuber

Genetische Einflüsse auf die Hirnstruktur und -Leistung des Menschen (GENES)

Im GENES-Projekt wird der genetische Einfluss von Polymorphismen verschiedener Kandidatengene wie BDNF und APOE auf morphologische Merkmale des menschlichen Gehirns bei gesunden Männern und Frauen sowie deren Zusammenhang mit Intelligenz- und Gedächtnismaßen untersucht. Dazu wurden bei den Probanden Magnetresonanztomographie (MRT)-Bilder aufgenommen und das Gesamtvolumen sowie Volumina unterschiedlicher Hirnregionen- und Strukturen, u.a. des Hippocampus und der Basalganglien, mittels FreeSurfer bestimmt. Zudem wurden in neuropsychologischen Testungen Intelligenz- und Gedächtnisfunktionen differenziert erfasst. Neben Blutroutinewerten wird auch die Korrelation der Parameter mit Enzymaktivitäten des Sphingolipidstoffwechsels im Plasma und in peripheren Blutzellen analysiert.

Ansprechpartner: Dr. rer. biol. hum. Tanja Richter-Schmidinger (Gedächtnis)
Cosima Rhein (Intelligenz)
Dr. rer. nat. Christiane Mühle (Molekularbiologie)

Normierung des Mini Mental Status Tests (MMST)

Der Mini Mental Status Test wurde 1975 von Folstein und Kollegen entwickelt und stellt ein hochökonomisches wie auch einfach durchzuführendes Verfahren zum Screening auf Demenz dar. Trotz großer Beliebtheit ist seine Sensitivität nur gering. Ziel ist es daher, aus den Daten des Kompetenznetzes Demenzen alters-, geschlechts- und bildungskorrigierte Normen für den deutschsprachigen Raum zu gewinnen.

Ansprechpartner: Dr. rer. biol. hum. Tanja Richter-Schmidinger

Neurodevelopmental Testosteron Hypothesis

Männer sind anders als Frauen. Dies gehört zu den beglückenden und manchmal herausfordernden Gegebenheiten unseres sozialen Lebens. Männer sind kompetitiver und übernehmen, zumindest bislang, häufiger Führungspositionen, und sie haben ein anderes räumliches Vorstellungsvermögen. Auf der negativen Seite sind Alkoholprobleme bei Männern häufiger; sie sind aggressiver und haben ein höheres Suizidrisiko. Warum ist das so? Wir verfolgen die Hypothese einen prägenden Einwirkung der Balance zwischen Testosteron und Östrogen auf das sich entwickelnde Gehirn. Damit wirkt die Zeit im Mutterleib lebenslang nach. Ein hoher Testosteronspiegel bedingt ein männlich differenziertes Gehirn mit eher männlichen Verhaltensweisen im Erwachsenenalter. Damit gibt es neben dem biologischen Geschlecht, das "Hirn-Geschlecht". D.h. neben den typischen Männern und Frauen gibt es Männer mit einem eher weiblich ausgeprägten Gehirn und Frauen mit einem eher männlich ausgeprägten Gehirn. Dieses Konzept hat weitreichende Konsequenzen und erlaubt ein tieferes Verständnis männlicher und weiblicher Verhaltensweisen einschließlich der Geschlechtsunterschiede bei psychiatrischen Störungsbildern. In einer Reihe von Studien prüfen wir unsere Hypothesen empirisch. In den FLIP-Studien (Finger Length in Psychiatry) untersuchen wir die relative Länge von Zeige- und Ringfinger als indirektes Maß einer vorgeburtlichen Einwirkung der Geschlechtshormone und setzen die Ergebnisse in Beziehung z.B. zu Alkoholabhängigkeit, Computerspielsucht, Autismus oder Liebesstilen. In der NOAH-Studie (Neurobiology of Alcoholism) untersuchen wir zusammen mit der Arbeitsgruppe von Herrn PD Dr. Bernd Lenz zusätzlich Lateralisierungsmaße als Hinweis auf pränatale Einwirkungen der Geschlechtshormone. In präklinischen Studien zusammen mit der Arbeitsgruppe von Prof. Christian Müller) untersuchen wir den Einfluss pränataler Hormonwirkungen auf adultes Trinkverhalten bei der Maus.

Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Johannes Kornhuber

Kompetenznetz Demenzen (KND)

Mit dem Kompetenznetz Demenzen wurde eine der weltweit größten prospektiven Studien zu Diagnostik, Differentialdiagnostik und prädiktiver Diagnostik bei Patienten mit MCI und Demenz durchgeführt; die Studienleitung lag dabei in Erlangen. Die Datenbank umfasst neben klinischen Daten auch Daten zu biologischen Markers aus dem Nervenwasser und Blut sowie bildgebende Daten. Die Biobank erlaubt auch weiterhin Messungen in biologischen Proben. Die Daten aus dem Kompetenznetz sind in große, weltweite Verbundstudien eingeflossen. Es entstehen fortlaufende Publikationen aus dem KND und aus den weltweiten Verbundstudien.

Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Johannes Kornhuber

Romantic Love Studie

„Glückliche, unglückliche, unerfüllte Liebe sowie gediegene und gleichgeschlechtliche Liebe“ – Untersuchung von psycho(patho)logischen und neuronalen Korrelaten (funktionelle Bildgebung) sowie molekularer Grundlagen. Ziel der psychologischen Messungen ist die erstmalige differenzierte Erfassung des subjektiven Phänomens „Verliebtheit“ durch den Einsatz theoriebasierter und international anerkannter Selbstbeurteilungsverfahren. Zudem soll untersucht werden, inwiefern Kriterien psychiatrischer Krankheitsbilder erfüllt sind, bzw. wie diese abgegrenzt werden können. In der Bildgebung (funktionelle MRT) sollen zerebrale Regionen identifiziert werden, die bei bildlicher Präsentation des Partners bzw. partnerassoziierter Ereignisse aktiviert werden. Parallel findet die Untersuchung neurotropher Faktoren statt: hier soll die Expression neurotropher Faktoren auf mRNA – und Proteinebene im Verlauf analysiert und mit anderen genetischen Polymorphismen korreliert werden. 

Ansprechpartner: Dr. rer. biol. hum. Tanja Richter-Schmidinger (Psychometrie)
Dr. rer. nat. Christiane Mühle (Molekularbiologie)
Dr. med. Christina Stößel (fMRT)

miLife

Im Rahmen des miLife Projektes soll eine innovative Wearable Computing Plattform zur Datenanalyse von in Kleidung integrierten Sensoren für den Einsatz in Teamsport und Gesundheit entwickelt werden. Die entstehende Plattformlösung wird durch flexible Möglichkeiten zur Sensoranbindung, Datenanalyse und Feedbackanzeige in Echtzeit für vielfältige Einsatzgebiete wie Teamsport, Bewegungsmotivation und Gesundheitsmonitoring geeignet sein. Entwickelt werden Systeme zur Bewegungsmotivation durch Feedback, sowie alltagstaugliche Systeme zur Gesundheitsunterstützung im Alter. Das Projekt wird unterstützt durch die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH - Bereich Industrielle Forschung und Innovation.

Ansprechpartner: Gerald Suttner

Panik & Depression und ihre Auswirkungen auf Stressreaktion und Interozeption

Ziel der Studie ist es, bestehende Annahmen über die wahrnehmungssteigernde Wirkung von Panik sowie die wahrnehmungssenkende Wirkung von Depression zu überprüfen und mit den tatsächlich gemessenen körperlichen Veränderungen abzugleichen. Besonders interessiert uns auch die Wechselwirkung von Panik und Depression auf Stressreaktion und Wahrnehmung, da die Erkrankungen häufig komorbid auftreten. Dafür werden im Rahmen eines aufwendigen Versuchsdesigns (Wechsel von Stress- und Entspannungsphasen mit wiederkehrender Beurteilung physiologischer und psychologischer Parameter, z.B. Stressempfinden) umfassende peripherphysiologische Messungen mit dem Biofeedbackgerät (Erhebung von Hautleitfähigkeit, Herzrate, Pulsvolumenamplitude, Temperatur, Muskelspannung, Atemfrequenz und Atemamplitude) durchgeführt. Zusätzlich werden eine ganze Reihe von psychologischen Variablen erhoben, um (von den klinischen Symptomen abgesehen) zusätzliche Einflüsse auf Wahrnehmungsfähigkeit und peripherphysiologische Reagibilität zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die symptomorientierte Therapie bei Panikstörungen und depressiven Erkrankungen zu optimieren und die Interozeptions- und Stressforschung um neue Erkenntnisse zu bereichern. 

Ansprechpartner: Jan Limmer

Prüfungsangst

Prüfungsangst ist unter Studierenden ein weit verbreitetes Phänomen und kann bei den Betroffenen über schlechtere Studienleistungen hinaus zu psychischen und somatischen Erkrankungen sowie zu der Entwicklung von Suchterkrankungen führen. Das Ziel des Projektes ist es, Studierende mit ausgeprägter Prüfungsangst sehr früh zu erkennen und den Betroffenen Hilfe anzubieten. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern bietet die Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik der Universitätsklinik Erlangen in Kooperation mit dem Anatomischen Institut II der FAU eine Vorlesungsreihe zum Thema sowie diverse Seminare zur effizienten Prüfungsvorbereitung und zum Abbau von Prüfungsängsten an. Manchmal auch liegt der Prüfungsangst eine andere behandlungswürdige psychiatrische Erkrankung oder eine Belastungsreaktion des Betroffenen vor. Die Scheu, sich Hilfe zu suchen, ist aber aus mannigfaltigen Gründen oftmals sehr groß. Gerade in diesen Fällen führt der anonyme Kontakt mit speziell geschulten PsychologInnen und Psychiatern unseres Hauses zu einem Abbau der Ängste und dazu, dass sich die Betroffenen, falls empfohlen und nötig, frühzeitig weiterführende Hilfe holen können.

Ansprechpartner: Dr. med. Ozan Yüksel Tektaş

Im Rahmen des P³-Spitzenclusterprojektes zur Förderung der personalisierten Pharmakotherapie in der Psychiatrie, wird eine Chemoinformatik-basierte Optimierung der Arzneimitteltherapiesicherheit vorangetrieben und somit eine patientenindividualisierte Pharmakotherapie möglich gemacht. Ziele des Projektes sind die Verbesserung von Therapiequalität und Patientensicherheit, Unterstützung des Arztes mit dem Ziel schnellere Therapieentscheidungen treffen zu können und somit langfristig eine Reduktion der Behandlungskosten zu ermöglichen. Es handelt sich um ein Projekt des Medical Valley EMN (Europäische Metropolregion Nürnberg) e.V.. Die Förderung erfolgt durch das BMBF.

Ansprechpartner: Gerald Suttner

 
 
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Zusammenfassung