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Die Therapie

Boulderpsychotherapie (BPT)

Die Boulderpsychotherapie ist eine Kombination psychotherapeutischer Interventionen am Medium des Boulderns. In 10 Einheiten werden verschiedene für die Therapie der Depression wichtige Themen bearbeitet. Dies geschieht, anders als in der klassischen Verhaltenstherapie, nicht im Gespräch, sondern im direkten Erleben an der Boulderwand.

Die psychotherapeutischen Techniken, die in der Boulderpsychotherapie enthalten sind, entspringen der kognitiven Verhaltenstherapie, wobei die BPT auf die Umsetzung effektiver Lern- und Handlungsfaktoren abzielt (z. B. Steigerung der Selbstwirksamkeit, Problemlösung, Expositionstraining) und die Teilnehmer*innen dazu angehalten werden, so viel wie möglich in der Sitzung selbst zu üben. Spezifische Boulderübungen sind so konzipiert, dass sie die dysfunktionalen Problemlösungsmuster der Patient*innen und damit auch ihre Symptome auslösen. Dies ist möglich, weil die Atmosphäre des Boulderns an sich schon hochgradig emotional aktivierend ist und die Interaktionen mit anderen Gruppenmitgliedern bei Partner- oder Gruppenübungen zwischenmenschliche Probleme unmittelbar sichtbar machen. Das dysfunktionale Verhalten oder Denken eines Patienten oder einer Patientin kann mit Hilfe der Therapeut*innen und der Gruppe analysiert werden, die den oder die Patient*in unterstützt und als Modell für korrigierende Erfahrungen dient. Anschließend können in einer Wiederholung der Boulderübung Alternativen eingeübt und die neuen Erfahrungen auf Alltagsprobleme übertragen werden. Gerade Anfänger machen durch das Erlernen von Bouldertechniken sehr schnell sportliche Fortschritte, so dass die Selbstwirksamkeit leicht gefördert werden kann. Darüber hinaus ist der Aufbau positiver Aktivitäten ein wesentlicher Bestandteil der Psychotherapie bei depressiven Störungen und das Bouldern selbst kann durch seine hochmotivierende Atmosphäre eine solche positive Aktivität für die Patient*innen sein und so einem Interessenverlust entgegenwirken.

Jede Stunde wird mit einer Achtsamkeitsübung begonnen. Dann folgt eine Einführung in das jeweilige Thema, bevor es direkt in den Erfahrungsteil an der Boulderwand geht. Dafür stehen für jedes Thema passende Boulderübungen zur Verfügung. In der Stunde zum Thema „Soziale Beziehungen“ können Patient*innen beispielsweise die Erfahrung machen, welche Gefühle und automatische Gedanken hier insbesondere hinsichtlich Leistung und Nähe/Distanz auftreten, wenn sie, verbunden durch ein Seil, gemeinsam eine Route bewältigen müssen. Abgeschlossen wird die Stunde nach einem kurzen Austausch mit einer Entspannungsübung.

Das Gesamtkonzept für eine Gruppentherapie zur Behandlung von Depressionen ist auf eine Gruppe von zehn Teilnehmenden unter der Leitung von mindestens zwei Therapeut*innen ausgelegt. Bei nur einer Therapeut*in sollte die Gruppengröße auf maximal 5 Teilnehmende reduziert werden. Manche Übungen können auch als Einzel- oder Partnerübungen durchgeführt und herausgegriffen werden, um einen Behandlungsplan mit praktischen Übungen anzureichern.