Fachtreffen für therapeutisches Klettern: Impulse für Forschung, Praxis und Vernetzung
Vom 27. bis 29. Juni 2025 fand in der Kletterhalle „DAV Sparkassen Bergwelt“ des DAV Erlangen ein Fachtreffen zum therapeutischen Klettern statt, organisiert vom Universitätsklinikum Erlangen unter der Leitung von Prof. Dr. Katharina Luttenberger. Drei Tage lang stand das therapeutische Klettern im Zentrum eines vielseitigen und inspirierenden Programms, das Fachpersonen und Interessierte aus Therapie, Forschung und Praxis zusammenbrachte.
Mit mehr als 100 Teilnehmenden – vor Ort und digital – war die vollständig ausgebuchte Veranstaltung ein voller Erfolg. Sie zeigte eindrucksvoll, welch zentrale Rolle das therapeutische Klettern heute in der Behandlung psychischer und körperlicher Erkrankungen einnimmt und wie dynamisch das wachsende Netzwerk in diesem Bereich ist.
Am Freitagnachmittag wurde das Treffen durch die Begrüßung von Alexander Heimbeck (Schönklinik Prien) eröffnet. Prof. Dr. Katharina Luttenberger gab im Anschluss einen Überblick über die Forschung des Erlanger Teams zum Klettern bei Depressionen. Die wissenschaftlichen Beiträge befassten sich sowohl mit körperlichen als auch psychischen Aspekten, wie beispielsweise der Behandlung von Skoliose im Kindesalter sowie dem Einsatz von Klettertherapie bei Angst, Depressionen, ADHS und Essstörungen.
Ein besonderer Programmpunkt war der öffentliche Filmabend am Freitag. Die Schweizer Organisation ClimbAID präsentierte den Film SAMA über ihre Projekte mit Geflüchteten im Libanon. Gründer Beat Baggenstos diskutierte im Anschluss gemeinsam mit Prof. Luttenberger über die therapeutische Kraft des Kletterns in Krisenregionen. Möglich gemacht wurde der Abend durch Hauptsponsor Mammut, der auch mit einem Greifautomaten vor Ort war – der Erlös kam ClimbAID zugute.
Auch am Samstag gab es einen exklusiven Vortrag: Kevin Bartke, World-Cup-Sieger im Paraklettern als AU2-Athlet gewährte einen berührenden Einblick in seinen sportlichen Werdegang und seine Erfahrungen im inklusiven Klettern. Besonders eindrücklich schilderte er die Herausforderungen der Klassifizierung im Parasport und den bedeutenden Meilenstein, dass Paraklettern 2028 erstmals Teil der Paralympics sein wird.
Das Wochenende bot eine breite Auswahl an Workshops und Fachvorträgen zu Themen wie:
- Sturzangst und Sportcoaching
- Paraclimbing im Leistungssport
- Boulderpsychotherapie für Erwachsene mit Depressionen (Bouldapy)
- Klettern und ADHS bei Jugendlichen
- PTBS und therapeutisches Klettern
- Zyklusorientiertes Training für Frauen
- Klettern und Kunsttherapie
- Klettern im forensischen Kontext
- Inklusives Klettern und unterstützende Seiltechnik
Internationale Referent:innen aus Norwegen, Irland, Kanada, der Universität Innsbruck sowie der Schönklinik Roseneck und dem Schweizer Fachverband für therapeutisches Klettern bereicherten das Programm mit fundierten Einblicken und innovativen Ansätzen.
Am Sonntag ging es für einen Teil der Teilnehmerinnen an den Fels – Trainer*innen der Kletterschule Felskopf erarbeiteten in der Praxis Möglichkeiten des Outdoor-Kletterns in der Therapie und Selbsterfahrung und die Teilnehmer*innen konnten ganz nebenbei die Schönheiten der Fränkischen Schweiz erleben.
Ein zentrales Format war das Fachtreffen des Fachverbands für therapeutisches Klettern (FAKT!), das die Möglichkeit bot, interdisziplinär über die Zukunft der Klettertherapie zu diskutieren. Parallel fanden Outdoor-Workshops am Fels im Frankenjura statt – organisiert von der Felskopf-Kletterschule.
Zum Abschluss resümierte Prof. Luttenberger: „Es war ein rundum gelungenes Event, das eindrücklich gezeigt hat, wie sehr die Beschäftigung mit dem therapeutischen Klettern sowohl in der Praxis als auch in der Wissenschaft gewachsen ist.“
Ein besonderer Dank gilt dem Hauptsponsor Mammut, dem DAV Erlangen, der Felskopf-Kletterschule, dem Büros für Gender and Diversity der FAU Erlangen zur Realisierung der Chancengleichheit von Frauen in Forschung und Lehre, den Fotograf:innen Jule Breuning und Christian Seitz sowie allen Mitwirkenden.
Den Zeitplan des Fachtreffens findet Ihr hier.
Das ausführliche Programm der drei Tage einschließlich der Beschreibung der Vorträge und Workshops findet Ihr hier.