Themenschwerpunkt I: Entwicklung und Evaluation einer Boulderpsychotherapie als kombinierte Intervention bei Personen mit depressiver Symptomatik
1. Boulder dich stark: Boulderpsychotherapie gegen Depression und Stress (BooSt): Evaluation einer kombinierten boulderpsychotherapeutischen Intervention bei (sub)klinischer depressiver Symptomatik im Jugendalter

Kurzbeschreibung: In der Längsschnittstudie BooSt wird die Wirksamkeit eines boulderpsychotherapeutischen Gruppenangebots für Jugendliche (BPT-J) zur Reduktion depressiver Symptomatik untersucht. Aufgrund der gestiegenen Prävalenz depressiver Erkrankungen im Jugendalter besteht ein hoher Bedarf an zielgerichteten, wirksamen und zugänglichen Therapieangeboten zur Unterstützung von Jugendlichen mit (prä)klinischer depressiver Symptomatik. Die manualgestützte 10-wöchige Intervention basiert auf der vorab entwickelten und evaluierten Boulderpsychotherapie (BPT) für Erwachsene und verbindet verhaltenstherapeutische Elemente mit dem Bouldern (Klettern ohne Seil in Absprunghöhe). Auswirkungen auf Stimmung, Antrieb und weitere Parameter werden durch Fragebogenerhebungen und klinische Interviews vor und nach der Intervention (Folgebefragung nach 3 Monaten, 6 Monaten und etwa 15 Monaten) ermittelt. Das Ziel der Studie ist es, zu einer verbesserten psychotherapeutischen Versorgung belasteter Jugendlicher beizutragen und die boulderpsychotherapeutische Intervention in die Zielgruppe der Jugendlichen zu evaluieren.
Projektleitung: Prof. Dr. Carolin Donath & Prof. Dr. Katharina Luttenberger
Projektlaufzeit: 2024-2028
Kooperationspartner: Kinder -und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit, Uniklinikum Erlangen (Prof. Dr. Oliver Kratz), Boulderhallen: Blockhelden Bubenreuth, Blockhelden Bamberg, Café Kraft Nürnberg, Boulderwelt Regensburg
Gefördert durch: Gefördert wird die Studie durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention.
Publikationen:
Luttenberger, K., Donath, C., Eversmann, L., Göttlicher, K. L., Scheuermann, J.-S., Brokmeier, L. L., Radegast, A., Scheufele, P., Lewczuk, P., Kiesel, V., Kuntscher, R., Meyer, S., Hulm, M., Schwarzkopf, L., & Eichler, A. (2026). Bouldering-psychotherapy for treating depression in adolescents (BooSt): Study protocol for a randomized controlled trial [Manuscript submitted for publication].
Weitere Informationen: Boulder dich stark - Psychiatrie | Uniklinikum Erlangen
2. Studie Neue Wege


Kurzbeschreibung: Gruppentherapien können helfen, der wachsenden Versorgungslücke bei Depressionen zu begegnen. In der randomisiert-kontrollierten Studie Neue Wege aus der Depression wurde zwischen April 2022 und Juli 2024 untersucht, ob die neu entwickelte WISE-Therapie (WIchtiges Strukturiert Etablieren) und die Boulderpsychotherapie (BPT) wirksamer sind als die bestehende Behandlung (Wartekontrollgruppe mit treatment as usual, TAU). Dazu wurden über 125 Erwachsene zufällig einer der drei Gruppen zugeteilt. Beide Interventionen BPT und WISE-T umfassten zehn wöchentliche zweistündige Gruppensitzungen. Die WISE-T zielt auf langfristige psychische Gesundheit durch Priorisierung wichtiger, aber nicht dringlicher Aktivitäten. Die Boulderpsychotherapie kombiniert Psychotherapie mit Bouldern (Klettern ohne Seil in Absprunghöhe). Beide Gruppentherapien führten zu einer signifikant stärkeren Reduktion depressiver Symptome als in der Kontrollgruppe. Die Remissionsrate der INU-T war mit knapp 18% deutlich höher als in der Kontrollgruppe mit ca. 3%. Die Studie zeigte nicht nur eine deutliche Verringerung depressiver Symptome sowohl zu Therapieende sowie im 12 Monats Follow-up, sondern auch signifikante Verbesserungen in weiteren Bereichen der psychischen Gesundheit.
Projektleitung: Prof. Dr. Katharina Luttenberger und Prof. Dr. Johannes Kornhuber
Projektlaufzeit: 2022 bis 2024
Kooperationspartner: Boulderhalle Der Steinbock in Erlangen
Gefördert durch: Eigenmittel des Universitätsklinikums Erlangen
Publikationen:
Kind, L., Luttenberger, K., Leßmann, V., Dorscht, L., Mühle, C., Müller, C. P., Siegmann, E. M., Schneider, S., & Kornhuber, J. (2023). New ways to cope with depression-study protocol for a randomized controlled mixed methods trial of bouldering psychotherapy (BPT) and mental model therapy (MMT). Trials, 24(1), 602. https://doi.org/10.1186/s13063-023-07629-x
Radegast, A., Luttenberger, K., Kornhuber, J., & Kind, L. (2026). Boulderpsychotherapie gegen Depressionen: Erstmalige Analyse physiologischer Effekte. B&G Bewegungstherapie und Gesundheitssport, 42(1), 18-23.
https://doi.org/10.1055/a-2761-2695
Wallner, J., Kind, L., Donath, C., Kornhuber, J., & Luttenberger, K. (2024). Validation of the German version of the state mindfulness scale for physical activity in a clinical sample. Journal of Patient-Reported Outcomes, 8(1), 1-11. https://doi.org/10.1186/s41687-024-00815-8
Weitere Informationen:Neue Wege aus der Depression - Psychiatrie | Uniklinikum Erlangen
3. Studie Klettern und Stimmung (KuS) und Pilotstudie zur Boulderpsychotherapie

Kurzbeschreibung: In einer ersten zwischen 2013 und 2015 durchgeführten kontrolliert-randomisierten Pilotstudie wurde die Wirksamkeit der neu entwickelten Boulderpsychotherapie im Vergleich zu einer reinen Wartelisten-Kontrollgruppe untersucht. Hierfür wurden mehr als 100 Patientinnen und Patienten nach dem Zufallsprinzip in eine Interventionsgruppe und eine Wartegruppe eingeteilt.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Interventionsgruppe trafen sich für einen Zeitraum von acht Wochen einmal pro Woche für drei Stunden in der Boulderhalle, um gemeinsam mit zwei Therapeuten die BPT durchzuführen. In der Studie zeigte sich, dass die BPT einen signifikant positiven Einfluss auf die Depressivität der Patientinnen und Patienten hatte. Im Mittel verbesserte sich das Befinden innerhalb der Interventionsgruppe um einen Schweregrad von einer mittelschweren auf eine leichte Depression. Diese Verbesserungen blieben auch acht Wochen, teilweise sogar zehn Monate nach Ende der Intervention stabil. Zusätzlich zeigten sich positive Auswirkungen in weiteren Bereichen, wie Angst, Lebensqualität und Sozialverhalten.
Eine zweite kontrolliert-randomisierte Multi-Center-Studie wurde ab 2016 in Berlin, der Metropolregion Erlangen und der ländlichen Region Weyarn durchgeführt. Sie untersuchte zum einen die Wirksamkeit der Boulderpsychotherapie im Vergleich zu einer aktiven Kontrollgruppe, die eine reine Sportintervention erhielt. Zum anderen wurden die Ergebnisse der Boulderpsychotherapie mit denen einer Interventionsgruppe verglichen, die an einer Kognitiven Verhaltenstherapie teilnahm. In der Gruppe, die Boulderpsychotherapie erhielt, zeigte sich eine deutliche Verringerung der depressiven Symptomatik. Die Verbesserungen waren deutlich stärker ausgeprägt als in der Gruppe, die mit dem aktivierenden Bewegungsprogramm zu Hause trainiert hatte. Somit zeigte sich, dass die Effekte der BPT über die der reinen körperlichen Aktivierung hinausgehen. Die BPT erwies sich dabei als mindestens genauso wirksam wie die Kognitive Verhaltenstherapie als bisheriger Gold-Standard in der psychotherapeutischen Depressionsbehandlung.
Aufgrund der positiven Studienergebnisse gelang die Aufnahme der BPT in die Regelversorgung am Universitätsklinikum Erlangen. Im stationären Bereich wurde eine BPT-Gruppe in das Behandlungskonzept integriert. Im ambulanten Bereich können Patientinnen und Patienten der Psychiatrischen Institutsambulanz an einer ambulanten BPT-Gruppe teilnehmen, wenn sie die Einschlusskriterien erfüllen.
Projektleitung: Prof. Dr. Katharina Luttenberger
Projektlaufzeit: 2016 bis 2018, Pilotstudie: 2013-2015
Kooperationspartner: Boulderhallen: Der Steinbock, Zirndorf; KletterZ , Kletter- und Boulderzentrum Weyarn; Bouldergarten, Kletter Kultur Berlin
Gefördert durch: OH-DO-KWAN Stiftung
Publikationen:
Luttenberger, K., Donath, C., Grässel, E., Kornhuber, J., Schlüter, A., Dorscht, L., & Kind, L. (2023). Treating depression in an outpatient setting: Predictors of patient response to bouldering psychotherapy, cognitive behavioural therapy or exercise alone. Clinical Psychology & Psychotherapy. https://doi.org/10.1002/cpp.2898
Dorscht L, Karg N, Book S, Graessel E, Kornhuber J, Luttenberger K. A German climbing study on depression: a bouldering psychotherapeutic group intervention in outpatients compared with state-of-the-art cognitive behavioural group therapy and physical activation - study protocol for a multicentre randomised controlled trial. BMC Psychiatry. 2019;19(1):154. Epub 2019/05/19. doi: 10.1186/s12888-019-2140-5. A German climbing study on depression: a bouldering psychotherapeutic group intervention in outpatients compared with state-of-the-art cognitive behavioural group therapy and physical activation - study protocol for a multicentre randomised controlled trial - PubMed (nih.gov)
Karg N, Dorscht L, Kornhuber J, Luttenberger K. Bouldering psychotherapy is more effective in the treatment of depression than physical exercise alone: results of a multicentre randomised controlled intervention study. BMC Psychiatry. 2020;20(1):116. Epub 2020/03/14. doi: 10.1186/s12888-020-02518-y. Bouldering psychotherapy is more effective in the treatment of depression than physical exercise alone: results of a multicentre randomised controlled intervention study (nih.gov)
Kratzer A, Luttenberger K, Karg-Hefner N, Weiss M, Dorscht L. Bouldering psychotherapy is effective in enhancing perceived self-efficacy in people with depression: results from a multicenter randomized controlled trial. BMC Psychol. 2021 Aug 26;9(1):126. doi: 10.1186/s40359-021-00627-1. PMID: 34446114; PMCID: PMC8393466. Bouldering psychotherapy is effective in enhancing perceived self-efficacy in people with depression: results from a multicenter randomized controlled trial - PubMed (nih.gov)
Schwarzkopf L, Dorscht L, Kraus L, Luttenberger K. Is bouldering-psychotherapy a cost-effective way to treat depression when compared to group cognitive behavioral therapy - results from a randomized controlled trial. BMC Health Serv Res. 2021 Oct 26;21(1):1162. doi: 10.1186/s12913-021-07153-1. Is bouldering-psychotherapy a cost-effective way to treat depression when compared to group cognitive behavioral therapy - results from a randomized controlled trial - PubMed (nih.gov)
Luttenberger K, Karg-Hefner N, Berking M, Kind L, Weiss M, Kornhuber J, Dorscht L. Bouldering psychotherapy is not inferior to cognitive behavioural therapy in the group treatment of depression: A randomized controlled trial. Br J Clin Psychol. 2021 Nov 17. doi: 10.1111/bjc.12347. Bouldering psychotherapy is not inferior to cognitive behavioural therapy in the group treatment of depression: A randomized controlled trial - PubMed (nih.gov)
Pilotstudie:
Luttenberger K, Stelzer EM, Forst S, Schopper M, Kornhuber J, Book S. Indoor rock climbing (bouldering) as a new treatment for depression: study design of a waitlist-controlled randomized group pilot study and the first results. BMC Psychiatry. 2015;15:201. https://doi.org/10.1186/s12888-015-0585-8
Stelzer E-M, Book S, Graessel E, Hofner B, Kornhuber J, Luttenberger K. Bouldering psychotherapy reduces depressive symptoms even when general physical activity is controlled for: A randomized controlled trial. Heliyon. 2018;4(3):e00580. https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2018.e00580
Schwarz L, Dorscht L, Book S, Stelzer EM, Kornhuber J, Luttenberger K. Long-term effects of bouldering psychotherapy on depression: benefits can be maintained across a 12-month follow-up. Heliyon. 2019;5(12):e02929. Epub 2019/12/25. https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2019.e02929
Weitere Informationen:Klettern und Stimmung - die Studie KuS - Psychiatrie | Uniklinikum Erlangen
Themenschwerpunkt II: Boulderbasierte Interventionen bei Risikogruppen in Krisenkontexten
Psychosoziales Bouldern für geflüchtete Jugendliche im Libanon

Kurzbeschreibung: Die Mixed-Methods-Studie über die Wirksamkeit einer psychosozialen Boulderintervention geht der Frage nach, wie das achtwöchige Boulderprogramm YouCLIMB die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Jugendlichen im Libanon – insbesondere aus vertriebenen Bevölkerungsgruppen – beeinflusst. Entwickelt wurde das Programm in Zusammenarbeit mit der Organisation ClimbAID für geflüchtete und einheimische Jugendliche in Ostlibanon. Unsere quantitativen Analysen zeigen eine signifikante Verbesserung des Wohlbefindens und eine Reduktion psychischer Belastungen. Folgende zentrale Wirkmechanismen der Boulderintervention konnten durch qualitative Daten identifiziert werden: Bouldern als Quelle von Wohlbefinden und Selbstwirksamkeit, soziale Verbundenheit in einem sicheren Gruppengefüge sowie die Entwicklung von Problemlöse- und Bewältigungsstrategien.
Projektleitung: Prof. Dr. Katharina Luttenberger
Projektlaufzeit: 2022-2023
Kooperationspartner: ClimbAID, Antonine University in Baabda/Lebanon
Gefördert durch: Sports Group AG Schweiz und DFG
Publikationen:
Luttenberger, K., Najem, C., Rosenbaum, S., Sifri, C., Kind, L., & Baggenstos, B. (2023). A climbing (Bouldering) intervention to increase the psychological well-being of adolescents in the Bekaa valley in lebanon-study protocol for a controlled trial. International Journal of Environmental Research and Public Health, 20(5), 4289.
Luttenberger, Katharina, et al. "A psychosocial bouldering intervention improves the well-being of young refugees and adolescents from the host community in Lebanon: results from a pragmatic controlled trial." Conflict and Health 18.1 (2024): 56.
Weitere Informationen:climbaid.org/projects/climbing-for-peace/
Themenschwerpunkt III: Risiko- und Schutzfaktoren für Suizidalität
Risikofaktoren für Suizidalität im Jugendalter
Kurzbeschreibung: Die Studie basiert auf epidemiologischen Daten erhoben bei 9. Klässlern in Deutschland bzw. Niedersachsen. Die Datenerhebung erfolgte durch unseren Kooperationspartner, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachen (KFN), der repräsentative Stichproben von Schülern in Deutschland in der Größe von 5.000 bis 44.000 Teilnehmenden erhoben hat.
Projektleitung: Prof. Dr. Carolin Donath
Projektlaufzeit: 2010 - 2017
Kooperationspartner: Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen
Gefördert durch: auf der Seite des Uniklinikums Erlangen mit Eigenmitteln
Publikationen:
Donath, C., Bergmann, M-C., Kliem, S., Hillemacher, T. & Baier, D. (2019). Epidemiology of suicidal ideation, suicidal attempts, and direct self-injurious behavior in adolescents with a migration background: a representative study. BMC Pediatrics 2019, 19:45.
Donath, C., Gräßel, E., Baier, D., Bleich, S. & Hillemacher, T. (2014). Is parenting style a predictor of suicide attempts in a representative sample of adolescents? BMC Pediatrics 2014, 14: 113.






