Themenschwerpunkt l Befragungen: Erforschung der Situation pflegender An- und Zugehöriger und der Sorgenetzwerke
1: Längsschnittstudie Bedürfnisse und Bedarfe pflegender An- und Zugehöriger
Kurzbeschreibung: Die Längsschnittstudie Bedürfnisse und Bedarfe pflegender Angehöriger geht der Frage nach, weshalb bereits existierende professionelle Entlastungs- und Unterstützungsangebote nur selten genutzt werden. Aufgrund der meist hohen körperlichen und psychischen Belastung bei pflegenden An- und Zugehörigen besteht eigentlich ein hoher Bedarf an Unterstützungsangeboten. Mithilfe von Fragebögen wurden die Bedürfnisse und Bedarfe der pflegenden An- und Zugehörigen und Gründe für die (Nicht-)Inanspruchnahme existierender Entlastungs- und Unterstützungsangebote über drei Messzeitpunkte hinweg (Basisbefragung, Folgebefragungen nach 12 und nach 18 Monaten) ermittelt.
Ziel: Das Anliegen der Studie ist es, zu einer Verbesserung der Situation von pflegenden Angehörigen beizutragen. Die Ergebnisse der Studie können dazu genutzt werden, um langfristige Strategien zu entwickeln, wodurch die Unterstützungsmaßnahmen an die Bedürfnisse der Betroffenen angepasst werden können.
Projektlaufzeit: 01.08.2022 – 31.12.2026
Kooperationspartner: Prof. Dr. med. Eckhard Frick, Professur für Spiritual Care und psychosomatische Gesundheit, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Geldgeber: Gefördert wird die Studie durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, Festhalten, was verbindet – Bayerische Demenzstrategie.
Publikationen:
Pendergrass, A., Graessel, E., Kratzer, A., Scheerbaum, P., Henßler, O. T., Heckel, M., & Lauer, N. (2026). Hohe Belastung und geringe Inanspruchnahme von Hilfen als anhaltendes Problem für informell Pflegende nach der COVID-19-Pandemie. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. Advance online publication. https://doi.org/10.1007/s00391-025-02541-2
Lauer, N., Heckel, M., Bösl, S., Schmidt, J., Kratzer, A., Grässel, E., & Pendergrass, A. (2026). When non-kin caregivers provide home care: additional burden or personal benefit for friends, neighbours, and acquaintances? – Findings from an exploratory cross-sectional study Wenn Zugehörige häuslich pflegen: Zusätzliche Belastung oder persönlicher Zugewinn für Freund*in, Nachbar*in und Bekannte*n? – Ergebnisse einer explorativen Querschnittstudie. Das Gesundheitswesen. https://doi.org/10.1055/a-2736-6425
Kubitza, J., Steinmaier, V., Lauer, N., Pendergrass, A., & Frick, E. (2025). Exploring the role of spirituality and the meaning of life of family caregivers: a qualitative study in Germany. BMC Nursing, 24, 669. https://doi.org/10.1186/s12912-025-03398-x
Kubitza, J., Steinmaier, V., Lauer, N., Pendergrass, A., & Frick, E. (2025). Spiritual Coping in the Process of Home Care Among Family Caregivers: A Qualitative Longitudinal Study in Germany. Health & Social Care in the Community, 2025(1), 4904219. https://doi.org/10.1155/hsc/4904219
Weitere Informationen: Bedürfnisse und Bedarfe pflegender Angehöriger
2: Benefits of Being a Caregiver
Kurzbeschreibung: Neben den häufig bekannten negativen Auswirkungen der häuslichen Pflege erfahren einige pflegende Menschen einen positiven Zugewinn (sog. „Benefits“) durch ihre Pflegetätigkeit. Im Rahmen des Forschungsprojekts Benefits of Being a Caregiver wurde aus diesem Grund ein Fragebogen entwickelt, welcher eine Messung der „Benefits“ ermöglicht.
Ziele: Neben der Erprobung des Fragebogens in einer repräsentativen Befragung in Bayern in einer Projektlaufzeit von 12 Monaten wurden auch weitere pflegerelevante Aspekte ermittelt. Das Ziel bestand darin, Faktoren zu ermitteln, welche die „Benefits“ potentiell erhöhen. Außerdem ermöglichen die vielfältigen Daten unterschiedlichste Auswertungen, welche neue Erkenntnisse im Hinblick auf die häusliche Pflege bringen.
Projektlaufzeit: 01.01.2019-31.12.2020
Kooperationspartner: Medizinischer Dienst Bayern
Geldgeber: Das Forschungsprojekt wird durch die G. und I. Leifheit Stiftung gefördert.
Publikationen:
- Pendergrass, A., Weiß, S., Rohlender, N., Graessel, E. (2023). Validation of the Benefits of Being a Caregiver Scale (BBCS) – Further development of an independent characteristic of informal caregiving. BMC Geriatrics, 23(1), 26. https://doi.org/10.1186/s12877-022-03650-y
Supplement in der Zeitschrift Gesundheitswesen: „Pflegebedürftigkeit im Alter – Implikationen für das Gesundheitswesen“
PD Dr. Anna Pendergrass veröffentlichte gemeinsam mit Prof. Dr. Elmar Gräßel im Rahmen dieser Studie das Supplement in der Zeitschrift Gesundheitswesen „Pflegebedürftigkeit im Alter – Implikationen für das Gesundheitswesen“ mit sechs Originalarbeiten (Das Gesundheitswesen. 2024 Feb 23;86(Suppl 1):S1–S2. https://doi.org/10.1055/a-2189-0322
Online verfügbar unter: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10949521/
Einzelne und weitere Journalpublikationen:
- Scheuermann, J. S., Gräßel, E., & Pendergrass, A. (2024). Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und häuslicher Pflege: Einflussfaktoren auf eine pflegebedingte Erwerbstätigkeitsreduktion und arbeitsbezogene Wünsche pflegender Angehöriger. Das Gesundheitswesen, 86(S 01), S45-S53. https://doi.org/10.1055/a-2191-2074
- Scheuermann, J.S., Gräßel, E., Pendergrass, A. (2024). Pflegebedingte Beendigung der Erwerbstätigkeit von pflegenden Angehörigen: Identifikation eines Risikoprofils. Das Gesundheitswesen, 86(S 01), S37-S44. https://doi.org/10.1055/a-2183-6741
- Scheerbaum, Gräßel, E., Wasic, C., Pendergrass, A. (2024). Wunsch und Wirklichkeit: Diskrepanz zwischen tatsächlicher und beabsichtigter Nutzung von ambulanten Entlastungsangeboten - Querschnittstudie zur häuslichen Pflege von älteren pflegebedürftigen Menschen. Das Gesundheitswesen, 86 (S 01), S13–S20. https://doi.org/10.1055/a-2003-9184
- Scheerbaum, Gräßel, E., Pendergrass, A. (2024). Ambulanter Pflegedienst: Wer nutzt ihn und wer möchte ihn nutzen? Prädiktoren der aktuellen und künftigen Inanspruchnahme bei der häuslichen Pflege eines chronisch pflegebedürftigen älteren Menschen. Das Gesundheitswesen, 86 (S 01), S21–S28. https://doi.org/10.1055/a-2146-6372
- Scheuermann, J.S., Graessel, E., Pendergrass, A. (2023). Predictors of expressed, felt, and normative needs for informal caregiver counseling: Domestic care for people aged 65+ years. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 56, 395–401. https://doi.org/10.1007/s00391-022-02097-5
- Keck, A., Pendergrass, A., & Graessel, E. (2024). Need for care in old age: characterization of informal caregivers and the care situation with regard to care levels in home care. Das Gesundheitswesen, 86(S 01), S3-S12. https://doi.org/10.1055/a-2183-7198
- Bösl, S., Diehl, K., Pendergrass, A., & Grässel, E. (2024). Tagespflege: Wer nutzt sie und wer möchte sie nutzen? Multivariable Analyse der aktuellen und zukünftigen Inanspruchnahme der Tagespflege bei der häuslichen Pflege. Das Gesundheitswesen, 86(S 01), S29-S36. https://doi.org/10.1055/a-2183-7096
- Donath, C., Pendergrass, A., Graessel, E. (2023). Zuhause-Pflegen und trotzdem gesund bleiben? Risiko- und Schutzfaktoren für dysfunktionales Coping bei pflegenden Angehörigen. Psychotherapie - Psychosomatik - Medizinische Psychologie; 73(07), 290-299. https://doi.org/10.1055/a-1984-8250
Publikationen zum Forschungsprojekt finden Sie hier
Weitere Informationen: Benefits of being a caregiver
Themenschwerpunkt ll Intervention: Testung (präventiver) Maßnahmen zur Unterstützung/Entlastung
Forschungsstudie: Kompaktkur für pflegende Angehörige (pAKur): Entwicklung und Evaluation einer Kompaktkur für erwerbstätige pflegende Angehörige in Form einer ambulanten Vorsorgemaßnahme nach § 23.2 SGB V
Kurzbeschreibung: Im Rahmen des Projektes paKur wird eine Kompaktkur als ambulante Vorsorgemaßnahme gemäß § 23 Abs. 2 SGB V unter Anwendung des Participatory Action Research-Ansatzes entwickelt, durchgeführt und evaluiert. Ziel ist es, die psychische und körperliche Gesundheit pflegender Angehöriger zu stärken, chronischen Stress zu reduzieren und einen förderlichen Umgang mit der Pflegesituation zu unterstützen, um so die Lebensqualität zu verbessern. Die Durchführung der Kompaktkur erfolgt am prädikatisierten heilklimatischen Kurort „Premium Class“ und Kneippkurort Kurbetriebe Oberstdorf in Kooperation mit der sich im Ort befindenden Klinik „Hohes Licht“ sowie online. Die Inhalte der Intervention werden im Rahmen des Participatory Research-Ansatzes durch eine umfassende Literaturrecherche und qualitative Interviews mit pflegenden Angehörigen detailliert erarbeitet und durch anschließende Fokusgruppen weiterentwickelt. Die Kompaktkur besteht aus drei aufeinanderfolgenden Teilen, die Kur wird dabei in zwei verschiedenen Varianten angeboten.
Ziel: Das Anliegen der Studie ist es, eine Kompaktkur zu entwickeln, die Entlastung für berufstätige pflegende Angehörige bietet. Dazu werden die Zufriedenheit, der Bedarf, die Machbarkeit und die Akzeptanz sowie die Auswirkungen der Kompaktkur auf die psychische und physische Gesundheit der teilnehmenden pflegenden Angehörigen untersucht. Die Ergebnisse der Studie können genutzt werden, um langfristig eine hilfreiche Entlastungsmöglichkeit zu bieten, die an die Bedürfnisse der berufstätigen pflegenden Angehörigen angepasst ist.
Projektlaufzeit: 01.10.2025 – 30.09.2027
Kooperationspartner: Klinik Hohes Licht (Oberstdorf) & Tourismus Oberstdorf
Geldgeber: Gefördert wird die Studie durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention.
Publikationen:In Bearbeitung.
Weitere Informationen: pAKur - Psychiatrie | Uniklinikum Erlangen
Themenschwerpunkt lll Validierungsstudien:
(Weiter)Entwicklung valider (messgenauer) und reliabler (zuverlässiger) Fragebögen für pflegende An- und Zugehörige
Ziele: Um die Situation der pflegenden An- und Zugehörigen zu erfassen, entwickeln und validieren wir stetig neue zielgruppengerechte Fragebögen. Wir möchten diese validierten Instrumente einer breiten Öffentlichkeit aus Forschung und Praxis unkompliziert und kostenfrei (ohne Lizenzgebühren) zur Verfügung zu stellen – und zwar für eine nicht-kommerzielle Nutzung.
Die Fragebögen finden Sie kostenlos unter: https://www.caregiving-tests.de/
Themen der Fragebögen: Subjektive Pflegebelastung, Zugewinne für pflegende An- und Zugehörige durch die Pflege, Beziehungsqualität zwischen pflegender und gepflegter Person, Umgangsweisen mit Belastung in der Pflege
Publikationen:
- Lauer, N., Graessel, E., Hinkl, P., Rohleder, N., & Pendergrass, A. (2025). Coping strategies in challenging situations among informal caregivers: validation of the newly developed six-item German short version of the Brief COPE Inventory (COPE 6). BMC Psychology. https://doi.org/10.1186/s40359-025-03815-5
- Hinkl, P., Graessel, E., Rohleder, N., Landendoerfer, P., Kuehlein, T., Lauer, N.*, Pendergrass, A.* (2025). Validation of the Mild Behavioral Impairment Scale (MBI-S) for brief self-assessment of Mild Behavioral Impairment in people without dementia. Annals of General Psychiatry, 24, 35. https://doi.org/10.1186/s12991-025-00566-w
- Becker, L., Grässel, E., & Pendergrass, A. (2024). Predictors of the quality of the relationship between informal caregiver and care recipient in informal caregiving of older people: presentation and evaluation of a new item. BMC Psychology, 12, 342. https://doi.org/10.1186/s40359-024-01840-4
- Pendergrass, A., Weiß, S., Rohlender, N., Graessel, E. (2023). Validation of the Benefits of Being a Caregiver Scale (BBCS) – Further development of an independent characteristic of informal caregiving. BMC Geriatrics, 23(1), 26. https://doi.org/10.1186/s12877-022-03650-y
- Pendergrass, A., Malnis, C., Graf, U., Engel, S., & Graessel, E. (2018). Screening for caregivers at risk: Extended validation of the short version of the Burden Scale for Family Caregivers (BSFC-s) with a valid classification system for caregivers caring for an older person at home. BMC Health Services Research, 18(1), 229. https://doi.org/10.1186/s12913-018-3047-4






